F 2014 97 Min. OmU FSK o. A.

Qu‘est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?

Monsieur Claude und seine Töchter
Filmplakat
Lorbeerkranz
Publikumspreis
Französische Filmtage
Bonn
2014

Regie: Phil­ippe de Chau­ve­ron
mit: Chris­tian Cla­vier, Chan­tal Lauby, Noom Diawara u.a.

Synopsis

Claude und Marie Verneuil können sich eigentlich über nichts beschweren: sie haben vier ziemlich schöne Töchter, ein gemütliches Landhaus im Loiretal und einen verwöhnten, kleinen Hund. Ein Leben, das in regelmäßigen und gewohnten Bahnen verläuft.

Claude und Marie sind auch ein bisschen lokalpatriotisch und fühlen sich am wohlsten, wenn alles so richtig schön französisch ist. Vor allem das Essen. Selbstverständlich sind Claude und Marie auch sehr liberal und offen für alles – so lange es nicht die eigene Familie betrifft.

Doch während die Eltern Heimatliebe und Tradition hochhalten, schlägt das Herz ihrer Töchter entschieden international: Ségolène heiratet den Chinesen Chao, Isabelle den Muslim Rachid und Odile den jüdischen David. Von seinen Schwiegersöhnen ist Monsieur Claude entsprechend wenig begeistert. Die Beschneidung seines Enkels ist ihm mehr als suspekt, chinesisches Essen ist einfach nicht sein Ding und bei der Vorstellung, einer seiner Enkelsöhne könnte auf den Namen Mahmoud getauft werden, wird ihm ganz schlecht.

Ein Mittagessen mit der ganzen Familie gerät völlig außer Kontrolle als der Schwiegerpapa, der so überhaupt nicht gern angeredet werden möchte, Beschneidungen für Barbarei erklärt und mit latenten Rassismen um sich wirft. Und auch die Schwiegersöhne erlauben sich gern die eine oder andere diskriminierende Entgleisung. Offensiv mit dem Rassismus-Vorwurf konfrontiert, können die echten „Gaullisten“ Claude und Marie nicht anders als beleidigt die Tafel räumen.

Doch auch der Rest der Familie hat jenseits der interkulturellen Besetzung wenig mit einer Friedenskonferenz gemeinsam; ein Klischee über schlechte jüdische, muslimische und chinesische Gewohnheiten jagt das andere. Dass David im Eifer des Diskrimierungsgefechts am Ende von Chao niedergestreckt wird, bringt das Fass zum Überlaufen.

Eine gewisse Eiszeit kehrt in die Familie Verneuil ein, unter der vor allem Marie leidet. Ihre Töchter bekommt sie kaum noch zu Gesicht, von ihren Enkelkindern ganz zu schweigen. Und obwohl sich die beiden so unter Toleranzdruck geratenen Eltern kaum entscheiden können, welcher ihrer Schwiegersöhne die schlimmste Plage ist, beschließt Marie, dass man sich wohl doch irgendwie mit ihnen arrangieren müsse. Beruhigt von ihrem Psychologen, dass sie doch keine Rassistin ist, und vom katholischen Dorfpfarrer, dass noch nicht alles verloren ist, sammelt sie sich und setzt alle Hoffnungen auf die jüngste Tochter: Laure. Sie, so der Dorfpfarrer, könnte doch mit einer katholischen Heirat im heimischen Gotteshaus alles Leid der Verneuils entschädigen.

Bis zu diesem schönen Tag soll die Weihnacht alles richten: Marie will ein großes Friedensfest unterm katholischen Sternenzelt, zu dem alle Töchter, Enkelkinder und die internationalen Schwiegersöhne eingeladen sind. Mit ausgeprägtem Widerwillen stimmt Claude zu, versteht sich.

Dass so eine Weihnacht in katholisch-islamisch-jüdischem Kreis nur unter größtmöglicher diplomatischer Anstrengung zu leisten ist, ist Claude und Marie mehr als klar: politische Themen fallen aus, über Religion lässt sich bekanntlich streiten und jede nur denkbare Toleranzressource muss mobilisiert werden.

Das ultimative Friedensangebot ist allerdings kulinarischer Natur: eine koschere, eine chinesische und eine Pute halal, alles mit den eigenen französischen Händen zubereitet, stellt Marie mit gewissem Stolz auf den Tisch. Nach einer offiziellen Entschuldigung Claudes, gemeinsamem Kirchenbesuch und der französischen Nationalhymne im Schwiegersohn-Chor scheint der Plan aufzugehen: man versteht sich. Irgendwie.

Davon vitalisiert, wollen Claude und Marie jetzt nichts mehr dem Zufall überlassen: um der letzten Hochzeit im Hause Verneuil die gewünschte Wendung zu geben, arrangieren sie ein Treffen für ihre Tochter Laure mit dem echten französischen und ortsansässigen Geschäftsmann Xavier Dupuy-Jambard.

Doch von Xavier Dupuy-Jambard will Laure überhaupt nichts wissen. Sie eröffnet den Eltern, was die so gerne hören möchten: eine katholische Hochzeit steht ins Haus. Doch bringt sie es nicht übers Herz, dem ohnehin durch eine gefährliche Dosis Globalisierung in arge Mitleidenschaft gezogenen Toleranzvorrat ihrer Eltern zuzumuten, dass ihr Verlobter Charles Schwarzer ist und von der Elfenbeinküste stammt.

So hinterlässt sie Claude und Marie in freudiger Erwartung ihres künftigen Lieblingsschwiegersohns. Der so nur noch vergrößerte Schock, der sich bei der tatsächlichen Begegnung einstellt, bringt alles in Schieflage, was bei den Verneuils noch französische Familienordnung war. Zwar ergeben sie sich den anstehenden Hochzeitsvorbereitungen, doch schon das erste Zusammentreffen mit Charles‘ Eltern lässt ihre schlimmsten Befürchtungen wahr werden.

Denn die haben auf diese Familienzusammenführung sichtlich, und falls das möglich ist, noch weniger Lust als sie selbst. Von der Forderung nach einem traditionell afrikanischen Hochzeitsdinner über die Ankündigung, 400 Gäste einladen zu wollen bis zu der Ansage, sich bei all dem nicht an den Kosten zu beteiligen, sozusagen als persönliche Reparationszahlung für jahrhundertelange Kolonisierung – Claude Verneuil ist schockiert. Doch Marie fürchtet die weitere Entfremdung von ihren Kindern und versucht mit allen Mitteln, Claude auf Linie zu bringen.

Als die Geister der Eheleute Verneuil sich über diese Hochzeit zu scheiden beginnen, fühlen sich schließlich auch Laures Schwestern und ihre sonst so überworfenen Ehegatten aufgefordert, das Schlimmste abzuwenden. In einem interkulturellen Kraftakt nehmen sie den vierten potentiellen Leidensgenossen unter die Lupe, finden dabei jedoch mehr über einander heraus als über Charles. Als schließlich Charles Eltern zur Hochzeit anreisen, eskaliert die Lage. Denn während zwar die Mütter sich langsam solidarisieren, überbieten sich die Schwiegerväter mit diskriminierenden Kriegserklärungen. Sie sind sich einig nur in einem: diese Hochzeit muss verhindert werden!

Mit radikalem Witz und schonungslosen Provokationen ist »Monsieur Claude und seine Töchter« heiteres und buntes Komödienkino aus Frankreich. Der grandiose Christian Clavier (»Asterix und Obelix«) als Monsieur Claude beweist erneut riesiges Komödientalent auf seiner Odyssee durch vier Hochzeiten zwischen Kulturschock und Völkerfreundschaft.

Trailer

Kritiken

« Et si c'était par l'humour que se résolvaient les problèmes ? [...] Il faut dire tout le bien qu'on pense de ce film parce qu'il est tout simplement bourré d'humanité, d'intelligence et d'une revigorante générosité. »

« Mais "Qu’est ce qu’on a fait au Bon dieu ?" tire son épingle du jeu grâce à ses personnages habilement croqués, ses clichés dézingués, son rythme effréné et son casting irréprochable. »

Szenenbilder